Präventionskonzept

Mo
29
Nov
2021

Angstfreie Kirche: Johannesgemeinde stellt Schutzkonzept gegen sexualisierte Grenzverletzungen und Gewalt vor

Die Arbeitsgruppe "Prävention" (von links): Erja Drewes, Dirk Schinkel, Ingrid Klammann, Sebastian Köhler, Christin Gietz bei der Vorstellung des Schutzkonzepts  im Gottesdienst am 1. Advent (Foto: Kay Müller).

Es ist seit vielen Jahren ein gesellschaftlich hoch präsentes und brisantes Thema: sexualisierte Gewalt im Bereich von gemeinnützigen Organisationen, Kirchen, Sportvereinen, Schulen und Jugend-Einrichtungen. In der Ev. Kirche in Deutschland (EKD) gibt es seit 2017 einen synodalen Prozess, Schutzkonzepte gegen sexualisierte Gewalt für die kirchlichen Arbeitsfelder zu etablieren. Dieser Prozess fand seinen Ausdruck in einem 2020 verabschiedeten Kirchengesetz auf der Ebene der Ev. Kirche von Westfalen, das seit April dieses Jahres in Geltung ist. Auf Grund dieses Gesetzes sind alle Ebenen des kirchlichen Lebens verpflichtet, eigene Schutzkonzepte zu erstellen.


In der Johannesgemeinde konnte bereits im Mai ein Team zusammengestellt werden, das von den Geschlechterrollen, vom Alter und von den Berufen her ein breites Spektrum der Gesellschaft abbildet: In der Arbeitsgruppe „Prävention“, die von Gemeindepfarrer Dirk Schinkel geleitet wurde, arbeiteten weitere fünf Personen mit: eine Schülerin und Konfi-Teamerin, eine Logopädin und Konfi-Teamerin, die Jugendreferentin, eine Presbyterin und Präventionsbeauftragte und ein Berufskolleglehrer. Hinzugezogen wurden in der Arbeit außerdem die Leiterin der Ev. Kindertageseinrichtung Johannes und eine Fachkraft der Ev. Jugendhilfe Münsterland gGmbH. Die Arbeitsgruppe erarbeitete in verschiedenen „Modulen“ und aus verschiedenen „Perspektiven“ (z.B. Kinder, Jugendliche, Schutzbefohlene, Familien und Frauen) ein konkret auf die Johannesgemeinde zugeschnittenes Schutzkonzept. Darin enthalten sind u.a. eine Gefährdungsbeurteilung der einzelnen Arbeitsbereiche, die Einbeziehung baulicher Gegebenheiten von Kirche, Außengelände und Gemeindehaus, ein Notfallplan für eine eventuelle Intervention und konkrete Präventionsmaßnahmen wie die Regelung zur Vorlage eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses und eine Selbstverpflichtung aller Mitarbeitenden. Am 25. November konnte die Arbeitsgruppe dem Presbyterium (Gemeindeleitung) ein detailliertes Konzept vorlegen und vorstellen, das einstimmig beschlossen wurde. Damit ist die Johannesgemeinde die erste Kirchengemeinde im Ev. Kirchenkreis Tecklenburg, die ein eigenes Schutzkonzept gegen sexualisierte Grenzverletzung und Gewalt beschlossen hat. Das Konzept wurde der Gemeinde im Gottesdienst am 1. Advent in der Johanneskirche vorgestellt. In einem Statement im Gottesdienst hieß es: „Glaube ist Vertrauenssache. Wir wollen ein angstfreies Klima erhalten, damit Glaube wachsen kann. Unsicherheit und Angst vergiften das Klima. Deshalb wollen wir Grenzen wahren und alles dafür tun, dass sexualisierte Gewalt in der Kirche keine Angriffsmöglichkeiten bekommt.“ Pfarrer Dirk Schinkel dankte bei der Vorstellung des Konzepts den Mitgliedern der Arbeitsgruppe und fügte hinzu: „Dieses Thema, das jedem Menschen erst einmal die Kehle zuschnürt, muss transparent und offen behandelt werden. Das Schutzkonzept wird mindestens jährlich überprüft und aktualisiert.“ Der Pfarrer dankte auch dafür, „dass die konzentrierte Arbeit an dem Schutzkonzept trotz der Coronapandemie im Sommer und Herbst möglich war und nun zu einem erfolgreichen Abschluss kommen konnte.“

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