Bau-Blog zum Gemeindehausneubau
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Kein Haus von der Stange

Bau-Blog >> Veröffentlicht von Kay Müller am 31.08.2015

Für Kirchengemeinden haben Christiane Deptolla und Peter Engländer auch schon gezeichnet, bevor sie für den Gemeindehausneubau an der Johanneskirche in Rheine aktiv wurden. Dennoch sei kein Auftrag wie der andere, immer gelte es, sich in die Bedürfnisse der Bauherren einzufinden und maßgeschneiderte Lösungen für sie zu finden. Das berichteten die Architekten von „DEEN architects“ aus Münster, als sie beim Gemeindefest der Johannesgemeinde im Gespräch mit Pfarrer Andreas Groll noch einmal die Entstehung des Neubaus Revue passieren ließen.
Dass die Johannesgemeinde kein „Gemeindehaus von der Stange“ erhalten hat, machten Deptolla und Engländer anhand einiger Details zur Planung deutlich. So sei die gewünschte bauliche Anbindung des Neubaus an die Kirche durchaus eine kniffelige Angelegenheit gewesen, räumte Peter Engländer ein. Altes und Neues harmonisch  verbinden, dazu noch den bestehenden Höhenunterschied ausgleichen –  manch anderer Planer hatte beim Architektenwettbewerb angesichts dieser Voraussetzung lieber auf eine Anbindung verzichtet und das Gebäude als für sich alleinstehenden Baukörper geplant. Engländer und Deptolla gingen den anderen Weg. „Unser Bestreben war es, den Neubau sehr reduziert zu gestalten“, so Engländer. Deshalb hat man sich auch für die Planungsvariante mit Flachdach entschieden: Der Neubau „duckt“ sich so quasi vor der Kirche und erhält diese als von allen Seiten klar sichtbares Zentrum des Gebäudeensembles. Der enge Bezug zur Kirche wird vor allem aber auch durch die transparente Gestaltung mit dem umlaufenden Glasfoyer sichtbar, die den Blick auf den Chorraum freigibt.
Neben ästhetischen Überlegungen war natürlich vor allem die gewünschte Funktionalität des Neubaus maßgeblich für die Planungen. Christiane Deptolla wies in diesem Zusammenhang auf die variablen Nutzungsmöglichkeiten für den großen Saal hin, der durch Hinzu- oder Wegnahme der mobilen Trennwand vergrößert oder verkleinert werden kann.
In einer kurzen Fragerunde gab es für Besucher des Gemeindefestes Gelegenheit, den Architekten Fragen zum Neubau zu stellen. Die dabei vorgetragenen Bedenken, dass ein Flachdach auf Dauer anfällig für Undichtigkeiten sein könnte, räumte Peter Engländer dabei aus. Die modernen Flachdächer seien mit den reparaturanfälligen Flachdächern der 60er-Jahre qualitativ nicht mehr zu vergleichen, beruhigte der Architekt. Ob die Glasfassade nicht anfällig für Vandalismus sei, wollte eine andere Besucherin wissen. Hier verwies Christiane Deptolla auf die Dreifachverglasung, die zumindest so robust sei, dass sie ein Eindringen ins Gebäude verhindere. Einen unfreiwilligen „Test“ hatte es bereits  in der Silvesternacht gegeben, als eine Scheibe am Foyer von Unbekannten  mit einem Stein zerstört worden ist.
Gefragt, wie sie die Zusammenarbeit mit den Gemeindegremien während der Planungs- und Bauphase erlebt hätten, äußerten sich Deptolla und Engländer positiv: Sowohl mit dem Bauausschuss als auch mit dem Presbyterium habe es ein konstruktives und kreatives Miteinander gegeben, lobten die Architekten und hoben dabei insbesondere  die regelmäßige Präsenz der Gemeinde bei den wöchentlichen Baubesprechungen hervor. Presbyter Günter Palmer gab das Lob im Namen des Presbyteriums zurück und dankte den Architekten für die gute Zusammenarbeit. Eines habe ihn als Finanzkirchmeister besonders froh gemacht, so Palmer: „Der Kostenrahmen konnte voll eingehalten werden – das ist bei Baumaßnahmen dieser Größenordnung keine Selbstverständlichkeit.“


 

Zuletzt geändert am: 19.11.2016

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