Glockengeläut Johanneskirche

Birgit und Dirk Schinkel, Johannesgemeinde: 3. Abend

JESUS – das LICHT der Welt

Einstieg

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

Der dritte Abend: Christus, das Licht der Welt. Wo Licht ist, ist auch Schatten, sagt man. Alles hat eine Kehrseite, heißt das. Irgendwie denke ich seit Corona darüber nach, ob nicht doch das Ganze eine Botschaft hat. Vielleicht war unser Licht zu grell, zu gleißend. Wir haben nur noch das Angestrahlte gesehen. Höher, schneller, weiter musste es gehen – seit vielen Jahren. Und die Schattenseiten? Entweder haben wir sie ausgeblendet und die Augen zu gemacht oder wir haben uns darauf verlassen, dass es schon irgendwie gut gehen wird. Globalisierung – Licht und Schatten. Fleischkonsum in der westlichen Welt – Licht und Schatten. Unser Gewinnstreben – Licht und Schatten. Bitten wir Gott auch in dieser Andacht am Abend um seinen Geist und um die Einsicht, dass wir unser Verhalten neu bedenken. Wir alle und jeder für sich. Möge Gott unseren Blick und unsere Herzen weiten!

 

Lied: Meine engen Grenzen (GL 437 und EG 600)

 

Gebet

Wenn uns die Kräfte verlassen

            Sei Du die Kraft, Heiliger Geist.

Wenn uns Krankheit schwächt

            Sei Du die Heilung, Heiliger Geist.

Wenn uns Fragen plagen

            Sei Du die Antwort, Heiliger Geist.

Wenn uns Sorgen quälen

            Sei Du die Zuversicht, Heiliger Geist.

Wenn alles hoffnungslos erscheint

            Sei Du ein neuer Anfang, Heiliger Geist

Wenn der Tod naht

            Sei Du das Leben, Heiliger Geist     

(Anton Rotzetter, Gott der mich atmen lässt, Herder 1994, S.  91)

 

Lied: O, komm, du Geist der Wahrheit (EG 136)

Andacht

Liebe Gemeinde am Abend!

O, komm, du Geist der Wahrheit! Wenn das klappen könnte und man könnte die Wahrheit herbeirufen! Viele Lügen würden sofort aufgedeckt. Die kleinen und die großen. Die Notlüge, die man mal eben schnell von sich gibt – zum Schutz von anderen oder einem selbst, aber auch die großen Lügen der Geschichte. Oder jetzt gerade in der Corona-Pandemie. Wir wünschten uns doch nichts sehnlicher als die Wahrheit über das Virus. Wie ansteckend ist es wirklich? Wie viele Menschen sind erkrankt? Wie hoch ist die Dunkelziffer? Wie lange dauert der ganze Spuk noch? Wahrheit tut not, aber stattdessen ist es ein mühsames Herantasten mittels Statistik oder irgendwelcher Studien. Das meiste sind Vermutungen, Einschätzungen oder Prognosen. Wie wichtig wäre Klarheit!

Wie klar ist Jesus da! Ich höre die Klarheit und Unmissverständlichkeit, ja die Wahrheit seiner Worte in der Krise noch einmal anders: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern das Licht des Lebens haben“ (Johannes 8, 12). Jesus selbst ist das Licht. Es geht nicht um irgendeine Beleuchtung, sondern darum, dass ER selbst das Licht für die ganze Welt ist. Das ist mehr als menschliches Glimmen, Leuchten und Strahlen. Jesus selbst macht jeden Winkel hell. Und in diesem Licht wird alles offenbar als das, was es wirklich ist: Sünde ist Sünde, Gerechtigkeit ist Gerechtigkeit, Liebe ist Liebe. Niemand kann sich in diesem Licht verstecken oder wegducken oder – wo wir im Moment alle eine auf haben – sich hinter einer Maske verbergen. Im Licht Jesu wird alles offenbar. Die Schatten, die sich breit machen in meinem Leben und in unserer Welt, sie haben keine Chance mehr. Jesus überstrahlt alles. Sein Licht ist Lebenslicht.

So weit – so gut. Jetzt geht es darum, wie wir das deutlich machen. Die Kirchen tun es seit Jahrhunderten mal mit gutem Erfolg, mal weniger effektiv. Nun in den Zeiten der Krise, da auch Gottesdienste ausfallen mussten und müssen, merken wir, dass uns etwas fehlt: Gemeinschaft – ja, aber vor allem: Kommunikation! Wir sind zwar Weltmeister in WhatsApp und Co, aber Kommunikation ist mehr als nur „schreiben“ oder „simsen“. Kommunikation heißt, mit jemandem direkt sprechen, hören, was er sagt, darauf reagieren. Und dazu gehört z.B. auch, dass wir sehen, was der andere denkt: seine Mimik, seine Augen, sein Mund. Zeigt mein Gegenüber Zustimmung oder Skepsis? Die Maske verhindert das ebenso wie die fehlende Nähe in der Kommunikation. Kommunikation geschieht aber nicht nur mit den Mitmenschen, sondern auch mit Gott. Ich höre sein Wort – z.B. in der Bibellesung oder in der Predigt. Ich antworte mit einem Gebet oder einem Lied. Deshalb fehlt mir das Singen, das im Moment nicht sein darf. In aller Einschränkung aber bin ich dankbar, dass die direkte Kommunikation mit Gott immer noch möglich ist. Gerade, wo wir auf Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes zugehen, ist für mich ein Vers ganz wichtig, den Paulus überliefert in Römer 8 Vers 26: „Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt, sondern der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen.“ Der Geist also vertritt uns bei Gott, wenn unsere Stimme zu schwach geworden ist! Ich bin dankbar für diese tröstende Botschaft. Bei aller Krise, bei aller Schwäche – Gott ist mit uns im Gespräch und wir sind mit ihm im Gespräch über alle Widrigkeiten hinweg. Vielleicht ist es genau das, was Pfingsten so bedeutsam macht, auch wenn auf der Straße nicht mehr viele Menschen wissen, was wir Pfingsten feiern. Es ist das Fest der Kommunikation mit Gott. Das lesen wir in der Apostelgeschichte, wo die Verstehensgrenzen aufgehoben werden – nur durch den Geist, unsichtbar, aber mächtig brausend, unerklärbar, aber wahrhaftig! Amen.

 

Lied: Licht dieser Welt (Feiert Jesus To Go Nr. 1)

Fürbitte, Vaterunser und Segen

HERR, wir bitten dich gerade in dieser Krise, die wir erleben: Stärke unsere Zuversicht auf eine Zukunft der Welt und der ganzen Schöpfung. Lass uns nicht verzweifeln an der Situation, sondern besonnen und vernünftig mit ihr umgehen und dabei diejenigen nicht vergessen, die schwächer sind als wir selbst.

JESUS, du bist das Licht der Welt. Du überstrahlst alles, was vorher gewesen ist und sein wird. Stärke du in uns den Glauben. Lass uns erkennen, dass DU der einzige Weg zum Vater bist.

HEILIGER GEIST, du bist es, der uns belebt. Lass uns bewegt werden durch DEINE Kraft, andere Menschen auch begeistern und einladen zum Glauben. Lass uns auf die zugehen, die im Zweifel sind.

Vaterunser

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.