Ablauf der Andacht am 21. Mai 2020

Glockengeläut der Johanneskirche (für alle, die es «live» nicht hören können)

Pfarrer Bernhard Brirup, St. Marien: 1. Abend

Der Gottesname „Ich bin, der ich (für euch da) bin“

So wie die Jünger und Jüngerinnen zwischen Himmelfahrt und Pfingsten im Gebet versammelt waren, so wollen wir in diesen Tagen der Pfingstnovene Gott um seinen Beistand bitten. Die letzten 8 Wochen sind in diesem Jahr von der Corona-Krise geprägt. Wir erleben drastische Einschränkungen in unserem Lebensumfeld. Alles, was wir in dieser veränderten Zeit uns auferlegt ist, wollen wir im Gebet und in der Betrachtung vor Gott bringen. Sein Geist hat die Glaubensgemeinschaft der Kirche gegründet und gestärkt.

 

So beginnen wir diesen ersten Abend der Pfingstnovene: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

LIED EG 432 oder GL 468: Gott gab uns Atem, damit wir leben

Einstieg: Bevor wir auf die Menschen zugehen und uns die Fragen zu Christus und Gott stellen, nehmen wir uns in dieser Novene Zeit, nachzuspüren, wer dieser Jesus für uns ist. Es gibt viele dogmatisch richtige Antworten. Aber die Menschen, denen wir begegnen fragen nicht nach Dogmen, sondern nach unserem persönlichen Glauben, nach der Lebenswirksamkeit unserer Gottes- und Christusbeziehung. Grundlage unseres Glaubens ist die Zusage Gottes „Ich bin da“. Leibhaft wird diese Zusage in Jesus Christus. In den „Ich bin“ Worten Jesu im Johannesevangelium wird diese Zusage in vielfältiger Weise und unterschiedlichen Bildern ausgefaltet. Und so führt uns die diesjährige Novene von der Selbstoffenbarung Gottes zu den Selbstaussagen Jesu und schließlich an Pfingsten zu der Aufforderung Jesu: Wenn ihr mich erfahren habt, dann „Gehet hin in alle Welt und verkündet“. Bitten wir Gottes Geist, uns in die Begegnung mit Gottes Wirklichkeit zu führen.

 

Gebet:

Wir wünschen uns, treuer und barmherziger Gott, dass du uns über alle Zeitläufe und Krisen hinweg nahe bist, mit uns redest und uns die Gemeinschaft mit Jesus schenkst. Er aber geht zu dir. Vertrau uns sein Gebot an und schenke uns seinen Geist. Gib uns die Kraft, in seiner Liebe zu wachsen, in seiner Wahrheit frei zu werden und ihm auf seinem Weg zu folgen. Amen.

 

Lesung: Exodus 3,1-8a. 13-15

Mose weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb.

2 Dort erschien ihm der Engel des HERRN in einer Feuerflamme mitten aus dem Dornbusch. Er schaute hin: Der Dornbusch brannte im Feuer, aber der Dornbusch wurde nicht verzehrt.

3 Mose sagte: Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht?

4 Als der HERR sah, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm mitten aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich.

5 Er sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.

6 Dann fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.

7 Der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne sein Leid.

8 Ich bin herabgestiegen, um es der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen

13 Da sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen sagen?

14 Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin, der ich bin. Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der Ich-bin hat mich zu euch gesandt.

15 Weiter sprach Gott zu Mose: So sag zu den Israeliten: Der HERR, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name für immer und so wird man mich anrufen von Geschlecht zu Geschlecht.

 

Betrachtung:

Der Jugendroman „Sofies Welt“ von Jostein Gaarder beginnt so: Die jugendliche Sofie Amundsen bekommt einen Brief, auf dem drei Worte stehen: „Wer bist Du?“ Diese Frage lässt sie nicht mehr los. Wer bin ich? Und Sofie wird noch mit weiteren Fragen konfrontiert, zum Beispiel: „Woher kommt die Welt?“ Das Christentum versteht sich als eine „Offenbarungsreligion“ Das heißt: Die Antworten auf jene Ur-Fragen des Menschen werden nicht allein durch philosophisches Nachdenken gesucht. Als Christen glauben wir: Das Geheimnis, das wir Gott nennen, jener unfassbare Horizont, der in unseren Fragen und in unseren Antworten aufscheint, sich aber gleichzeitig wieder entzieht, wenn wir ihm zum Objekt unseres Denkens machen wollen, hat sich selbst geöffnet und mitgeteilt. „Offenbarungsreligion“ das heißt: Es gibt nicht nur den verzweifelten Schrei des Menschen nach Gott, sondern es gibt auch den Ruf Gottes an den Menschen. Ja, Gott hat zuerst gesprochen, schon von Beginn der Welt an, wie es die Schöpfungserzählung im ersten Kapitel der Bibel ausdrückt, und der Mensch kann nur nach Gott rufen, weil er selbst eine Gerufener ist.  Gott  selbst gibt sich in der Lesung, die wir eben gehört haben, den Namen „Ich bin da“ Aber anders, als wir vielleicht erwarten und erhoffen. Mose würde vielleicht nach seiner Erfahrung am Berg Horeb sagen. Gott ist derjenige, der sich zeigt und doch nicht zeigt; ein Gott von dem ich gerade so viel erfahre, um den nächsten Schritt zu wagen. Wir können uns Gott annähern wie Mose dem brennenden Dornbusch. Gott will in den Unmöglichkeiten, den Brüchen, dem Schuldigwerden und – bleiben, dem Leid und Unverständnis sein – in all dem was dornig, stachelig und verletzend ist.

 

Lied: Bewahre uns Gott (EG 171)

Fürbitten:

Dein Name „Ich bin da“ gibt uns Trost und Halt. So bitten wir dich voll Vertrauen:

  • Um eine ausstrahlende Kraft des Glaubens, um Lebendigkeit und Freude in allen Glaubensgemeinschaften.
  • Um Vertrauen für alle suchenden und fragenden jungen Menschen, die verunsichert sind und nach Halt und Geborgenheit Ausschau halten.
  • Um Freiheit und Gerechtigkeit für alle Länder, in denen Gewalt und Hass regieren.
  • Um Trost und Ermutigung aus dem Glauben in den Herzen der schwer kranken und alt gewordenen Menschen.
  • Um Geduld und Vertrauen für alle, die sich der Kranken und Pflegebedürftigen in den Einrichtungen annehmen.
  • Um die Offenheit sich dem Geist Gottes zu öffnen und aus seiner Kraft den Alltag zu gestalten.

Gott, unser Vater, nichts und niemand kann uns von deiner Liebe trennen. Dir gehört unser Lob und unser Dank, jetzt und immerdar.

 

Segen:

Komm wir bitten dich, komm und segne uns

Sei uns Licht im Dunkel, sei der leise Ton in all den Lärm

Sei die Stimme die erinnert, sei die Hand, die sanft berührt

Sei der Geist, der mich atmen lässt, sei mein Gott

Ich bin bereit, deinen Weg zu gehen, dem Leben entgegen

(Andrea Schwarz)