Seit 4. November 2020 erschienen hier wöchentlich die MutZeichen - 18 Wochen lang. Ab 7. März  finden nun wieder Gottesdienste in der Johanneskirche statt. Die Reihe MutZeichen geht weiter - nur in anderen Abständen. Jeden Monat und zu besonderen Anlässen erscheint ein neues MutZeichen an dieser Stelle. Es ist uns als christliche Gemeinde in der krisenhaften Zeit besonders wichtig, Hoffnungszeichen zu setzen und aus der Bibel und dem Evangelium heraus Impulse zum Glauben und Leben zu geben. Kennen Sie schon "Übrigens: die Bibel!" - eine Impulsreihe der KU-Teamer aus dem letzten Jahr? Hier gibt es viele Entdeckungen am biblischen Wort zu machen. Hören Sie doch mal hinein!

März 2021:

MutZeichen 18 - Helfer zur Freude: kleine Schritte

Text: Dirk Schinkel, Musik im Audio: Julius Schinkel

Als sehr wechselvoll erleben wir das Frühjahr. Eben noch starre Winterwelt mit zweistelligen Minusgraden, dann Biergartenwetter und nun die ersten Blüten auf der Wiese und Knospen an den Bäumen. Ähnlich geht es uns mit dem Kirchenjahr. Wir durchlaufen die Passionszeit, sieben Wochen der Besinnung, des Verzichts und des Nachdenkens über das Kreuz. Oft sehen wir es am Wegrand, es begegnet uns in Kirchen, auf Bildern und Friedhöfen. Die Passionszeit ruft uns dazu auf, uns zu fragen, was das Kreuz Jesu für uns ganz persönlich bedeutet. Es ist auch klar, dass die zweite Passionszeit in der Coronapandemie eine andere ist als die erste. „Nächstes Jahr wird sicherlich vieles besser sein“, hörten wir es vor genau einem Jahr. Feste und Feiern wurden verschoben in hoffentlich bessere Zeiten... Wir wissen, es kam anders. Was heute anders ist, ist sicher auch unser Verhalten. Wir sind – zumindest noch – vorsichtiger und nehmen das Virus ernster – sicher auch, weil wir mehr wissen. Doch eines hat sich auch geändert: Die Freude fehlt. Die Freude über Gegenwärtiges oder gar die Vorfreude auf die Zukunft. Der Weg führt in der Passionszeit vom Kreuz zur Auferstehung am dritten Tag. So wie wir jedes Jahr vom Winter ins Frühjahr gehen, so gehen wir auch durch das Leiden und Sterben Christi hindurch zum Licht der Auferstehung. In dieser Spannung vollzieht sich unser Leben. Krisen müssen bewältigt werden, aus Krankheit und Depression führt der Weg wieder hinaus. Aus Hoffnungslosigkeit ergeben sich neue Perspektiven. Doch dazu müssen die Menschen erst erfahren, zu welcher Hoffnung sie berufen sind, woran sie glauben sollen. Ich bin sicher, wenn sie das wissen, kommt auch Freude wieder. Vielleicht fangen wir an mit der Freude über die kleinen Dinge. Zum Beispiel draußen: Da kommen die Krokusse und die Osterglocken. Sie zeigen an: Es geht weiter! [Foto: Zoller]

Paulus, der von sich einmal gesagt hat, dass er ein „Helfer zur Freude“ sein möchte, schreibt in Römer 5: „Geduld bringt Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden.“ Deshalb:  Bleiben wir voller Hoffnung und freuen wir uns stückweise auch über kleine Blumen und kleine Schritte in die richtige Richtung!

Flügelleicht wie ein Schmetterling, überwundene Angst und überstandene Krisen, aufkeimende Freude - das Lied von Martin Pepper aus dem folgenden Link passt dazu.

 

MutZeichen 17 - Freude im Leiden?

Text/Foto (Kreuzweg St. Nikolaus, Langeoog): Dirk Schinkel, Musik im Audio: Julius Schinkel

Wir haben Passionszeit, Zeit des Verzichtens. Eine Frau sagte mir diese Woche: „Verzichten? Das tu ich schon seit Monaten!“ Damit liegt das Problem auf dem Tisch. Das Kirchenjahr lädt ein zum Fasten und zum Verzicht, die Menschen haben in ihrem realen Leben zurzeit aber das Gefühl, dass sie genug verzichten, nämlich auf all das, was ihr Leben bisher ausgemacht hat: Bewegungsfreiheit, Reisen, Freizeit, aber auch dies: Arbeiten, Geld verdienen, Bildungsangebote wahrnehmen, Kultur genießen, sich um die eigene Gesundheit kümmern und vieles mehr. In der St. Nikolaus, LangeoogCoronazeit erscheint das Motto „Verzichten“ nicht passend! Doch das ist eigentlich immer so in der Passionszeit. Da passt immer letztlich etwas nicht zusammen. "Loben wollen wir und ehren unsern Heiland Jesus Christ, der das Leiden und das Sterben auf sich nahm für unsre Schuld". So heißt die erste Strophe eines Passionsliedes aus unserem Gesangbuch (EG 555). Geht das? Loben und ehren und gleichzeitig an Leiden und Sterben erinnern und dadurch an Sterben, Leiden und Tod erinnert werden? Das Lied mit seinen acht Strophen erzählt die ganze Leidensgeschichte Jesu vom Verrat durch den Freund, die Misshandlungen über den Kreuzweg bis zum Tod am Kreuz und hinführend zur Auferstehung: "denn aus seinem dunklen Grabe wird er siegreich auferstehen." Vieles, was ich zur Passions- oder zur „Fastenzeit“ früher gelesen habe, war doch eher seicht, allgemein und hat meist eher mit "gesund leben", "verzichten, damit es mir gut geht" und vielem mehr zu tun. Heute, sage ich: Vielleicht lehrt uns die aktuelle Krise mit ihren Unsicherheiten, mit der Unmöglichkeit, in die Zukunft zu planen, mit dem ständigen Verzichten eines: Das, was man entbehren muss, was man nicht hat oder haben kann, wird umso wertvoller. Vieles, was all die Jahre selbstverständlich war, was wir eigentlich nicht mehr wertgeschätzt haben, sondern als gegeben hingenommen haben, bekommt auf einmal unschätzbaren Wert, wenn man zurückschaut. Ungezwungene Gemeinschaft im Restaurant, bei Feiern, auf Freizeiten. Bildungsangebote, auch Gottesdienste und kirchliche Gruppen und Kreise – von alledem gab es im Überfluss und es war oft mühsam, Menschen dazu einzuladen. Mancher kam auch nur, wenn er wirklich gar nichts anderes mehr zu tun hatte... Das kennt jeder und jede bei sich selbst. Aber nun nach der langen Zeit des Verzichtenmüssens, ist die Sehnsucht nach vielem, was es früher gab, riesengroß. Und nun? Corona und Passion, Verzichten und Leiden? Verbinden wir doch einmal unsere Situation heute mit der Zeit Jesu: Johannesevangelium, Kapitel 12: Als eine Frau zu Jesus kommt und eine große Menge teuren Salböls auf seinen Kopf schüttet, sagt die scheinbar entrüstete Männerrunde, die anwesend ist: „Verschwendung! Man hätte das Öl verkaufen und den Armen geben sollen.“ Und wir wissen alle, das hätte niemand von ihnen wirklich gemacht. Aber darum geht es nicht. Jesus sagt einen Satz, den man damals wahrscheinlich überhört hat: „Arme habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit.“ Es geht darum, Gegenwärtiges zu nutzen, auf den Moment zu achten, nicht alles zu verschieben auf später! Jetzt ist Jesus da, jetzt soll man ihn hören! Wir merken gerade, Verschieben ist zurzeit in aller Munde, aber so viel kann man gar nicht nachholen, wie derzeit verschoben wird. Deshalb ist das Wort aus Johannes 12, 8 für mich ein Zeichen: Erstens dafür, den Moment zu nutzen, das alte Motto carpe diem! – nutze den Tag! Und das auch in der Pandemie. Das, was möglich, d.h. auch vernünftig und sinnvoll ist, sollte man tun! Nicht alles verschieben auf später! Und zweitens: Jesus ist zwar nicht allezeit da, wie er sagt, aber er kommt wieder. Auf die Passionszeit und Karfreitag folgt Ostern! Deshalb können wir loben und ehren auch in der Passionszeit, deshalb können und dürfen wir Freude empfinden auch in der Pandemie, weil Ostern alles Dunkel besiegt hat. Ein für alle Mal.

Was wir brauchen, ist Gottes Segen, etwas, das nicht aus uns kommt. Davon singt das Lied "Ich wünsch dir Gottes Segen" von Martin Pepper, das er in folgendem Link mit seiner Tochter Jennifer singt:

 

MutZeichen 16 - Vernünftig bleiben!

Im Durcheinander und Chaos die Richtung finden ist schwer (Foto: D. Schinkel)

Eigentlich sind die Reaktionen auf die Coronakrise, mit der wir jetzt seit fast einem Jahr zu kämpfen haben, typisch für die menschliche Natur. Ein paar Beispiele: Es gab und gibt die Verharmloser und die Sorglosen. Verharmloser sind die, die aktiv z.B. Coronamaßnahmen ablehnen, weil ja angeblich „alles gar nicht so schlimm ist“. Die extreme Form dieser Gruppe sind die Leugner und Verschwörungstheoretiker. Die Sorglosen sind diejenigen, die aus einer Mischung von Naivität und Unkenntnis die Gefahr nicht an sich heranlassen. Das sind die, die sich auch jetzt noch in der Warteschlange vor der Post zur Begrüßung die Hand geben und sich dann ohne Maske und Abstand unterhalten. Dann gibt es – ebenfalls typisch menschlich – die Profiteure. Hier gibt es mindestens wieder zwei Gruppen: Die einen, die einfach geschäftstüchtig und clever sind, z.B. Masken aus China ordern und hier überteuert anbieten – natürlich, ohne auf Zertifizierungen zu achten. Und die zweite Gruppe sind dann die Kriminellen, die Coronahilfen illegal abgreifen oder die trotz Verboten Geschäfte machen oder Veranstaltungen organisieren. Es gibt auch die Vorsichtigen und Ängstlichen. Die Vorsichtigen reagieren zurückhaltend und wägen ab, fragen nach, diskutieren und entscheiden dann. Die Furchtsamen und Ängstlichen sind angstgesteuert und reagieren bisweilen auch panisch und unverhältnismäßig. Und nun kommt nach wochenlangem Lockdown eine Reaktion hinzu, die ebenso zum Menschen passt: Wenn er sich einmal an etwas gewöhnt hat, dann ist auch alles gar nicht mehr so schlimm. Das ist hochproblematisch und angesichts der vielen Toten, die zu beklagen sind, schon fast zynisch. Hinter jedem gemeldeten Todesfall stehen ein persönliches Schicksal und eine Familie oder Freunde, die den Verlust verkraften müssen. Aber an so etwas Abstraktes wie Zahlen gewöhnt man sich schnell. Der Inzidenzwert von 50 z.B. war noch im Oktober letzten Jahres eine Marke, die besorgniserregend war, weil ab dieser Marke eine Nachverfolgung von Infektionen praktisch nicht mehr möglich ist. Als alle Länder und Kreise weit über dieser Marke lagen, wurde sie schnell umgedreht, zu einem Ziel, das es zu erreichen galt. Nun ist das Ziel (glücklicherweise) nach harten Maßnahmen erreicht worden, und schon ist für viele alles wieder in Ordnung. Aus der roten Linie vom Herbst ist der grüne Bereich von heute geworden – so schnell geht das, weil der Mensch sich eben gewöhnt. Und weil noch etwas hinzukommt: Er wird müde! Das merkt jeder an sich selbst. Man kann Corona nicht mehr hören! Die Nachrichten bringen nichts anderes mehr. Doch bei alledem darf man eines nicht verlieren: die Vernunft. Sie mahnt uns dazu, dass eine Perspektive Vorsicht braucht und umgekehrt aber auch die Vorsicht, die wir walten lassen müssen, eine Perspektive ermöglichen muss. Gerade angesichts der Virusmutation erscheint das wichtig zu sein. Stattdessen „menschelt“ es weiter: Einige drängeln sich beim Impfen dreist vor, vor allem mancher Lokalpolitiker konnte offenbar nicht widerstehen. Auf der anderen Seite hat man Menschen Impfungen angeboten, weil diese sonst unbrauchbar geworden wären in Fällen, wo z.B. ein Altenheim bereits komplett durchgeimpft war. Auch darüber zerreißen sich jetzt manche ihre Mäuler. Typisch Mensch!

Vernünftig bleiben, besonnen handeln, dazu mahnt uns die Bibel in Sprüche 2 Vers 11: „Besonnenheit wird dich bewahren und Erkenntnis dich behüten, dass du nicht gerätst auf den Weg der Bösen noch unter Leute, die Falsches reden.“ Mögen es möglichst viele, möglichst bald hören und vor allem beherzigen!

Vernunft ist das eine, aber wir brauchen auch einen Ort für unsere Sorgen, Ängste und Fragen in dieser Zeit. Das Lied aus dem folgenden Link "Du bist mein Zufluchtsort" (Text: Gitta Leuschner, Musik: Michael Ledner) gesungen von der Hipke-Family im Winter 2020 singt davon: "Du bist mein Zufluchtsort. Ich berge mich in Deiner Hand, denn Du schützt mich, Herr. Wann immer mich Angst befällt, traue ich auf Dich. Ja, ich trau auf Dich, und ich sage: Ich bin stark in der Kraft meines Herrn.“


top